29.06.2014

FCI-Coursing-Europameisterschaft

CACIL-Coursing in Malga Millegrobbe - Lavarone / Italien

Meine Meinung:

Was bleibt sind Erinnerungen –
– Erinnerungen an Abzocke (1), Schiebung (2), Betrügereien (3) und Diskriminierung (4), an unfähige Funktionäre (5), die sich ihrer Verantwortung entziehen. Eine Schweigeminute für ein sauberes Gewissen (6). Selbst das Wetter hatte sich dem Niveau dieser Veranstaltung angepasst. Die (wenigen) positiven Aspekte?
Es gab ein Wiedersehen mit alten Freunden und wir haben neue Freundschaften geschlossen. Und wir haben uns in unserer Equipe sehr wohl gefühlt. Und, was angesichts des regelwidrigen Terrains (die russische Steppe ist dagegen ein englischer Rasen) und den teilweise unqualifizierten Hasenziehern (7) alles andere als selbstverständlich ist: Unsere Hunde blieben bis auf ein paar kleine Blessuren unverletzt.


1)     Die „Stellplätze“ für Wohnmobile und Caravans ohne Stromversorgung waren schlichtweg eine Zumutung – und das für 12.- € pro Tag. Am ersten Tag hat man von einigen Teilnehmern sogar die gleiche Gebühr verlangt wie für die Plätze mit Stromversorgung (15.- € pro Tag, schön eben und geschottert). Erst nach heftigen Protesten wurde dann auf 12.- € pro Tag reduziert. Und wo blieb am Tag der Abreise der am Anreisetag versprochene Traktor? Die Teilnehmer mussten alle selbst sehen, wie sie aus dem ungeeigneten Gelände herauskamen. Warum wurde am letzten Tag nachts um 24 Uhr der Strom abgeschaltet? Es gibt Menschen, die wegen Medikamente, medizinischer Geräte etc. darauf angewiesen sind …
Italien – wir freuten uns auf Pizza – doch davon keine Spur… Aber Preise, die an 5 Sterne erinnern - ein belegtes Chiabata-Brötchen z.B., sehr sparsam belegt, kostete 7.- € …. Nur gut, dass wir genügend Vorräte dabei hatten. Abends um 22 Uhr war offensichtlich „Sperrstunde“ … Am letzten Tag war die Sperrstunde schon vor der Siegerehrung …

Auszug aus dem FCI Reglement für Internationale Windhund-Rennen und –Coursings: 4. Durchführungsbestimmungen für Meisterschaftsrennen und – Coursings, 4.1  Grundlage. Diese Veranstaltungen werden von der FCI/Cdl und dem von einem Landesverband bestimmten Verein ausgerichtet. Die Bewerbung zur Austragung eines Titelrennens oder Coursings muss von der nationalen Organisation in schriftlicher Form an die CdL erfolgen. Sie muss die Garantie enthalten, dass die Durchführung perfekt organisiert wird.


2) und 3)    Wie kann es sein, dass ein Hund, der gar nicht anwesend ist, gewertet ist? Wie kann ein Hund, der disqualifiziert war, auf dem Treppchen stehen? Wie kann es sein, dass außenstehende Richter sagen, besser kann ein Hund nicht laufen, die Bewertung von den amtierenden Richtern jedoch völlig anders aussieht? Warum waren am Vormittag und am Nachmittag Richter aus der gleichen Nation nominiert? Meine Voraussage bei den Barsoi-Hündinnen, wer ganz oben auf dem Treppchen stehen wird, hatte ins schwarze getroffen …  Zufall ???
In meinen Augen ist es Schiebung und Betrug an den Teilnehmern, wenn, was augenscheinlich der Fall ist, manche Hunde ganz willkürlich bewertet werden. Siehe dazu auch das FCI-Reglement Punkt 3.7, der eindeutige Vorgaben enthält. Wie ist es möglich, dass Differenzen in den Wertungen vorhanden sind, die kein normaler Mensch nachvollziehen kann? Warum weigert man sich, 5 Richter für die Bewertung einzusetzen? Dann die höchste und die tiefste Wertung zu streichen. Hat man Angst davor, dass dann plötzlich Hunde auf dem Treppchen stehen, die man da nicht haben will? Oder will man die besten Hunde gar nicht dabei haben? Das Argument, 5 Richter seien zu teuer, ist für mich lächerlich. Ich weiß, dass die Schere für die Bezahlung der Richter sehr weit auseinander geht. Eigentlich müsste es eine Ehre für einen Richter sein, wenn er bei einem solchen Event richten darf !!!

Ist es kein Betrug an den Teilnehmern, die für diese Betrügereien auch noch sehr viel Geld ausgeben und damit so etwas erst möglich machen? Ich stelle mir angesichts solcher vielschichtigen Unstimmigkeiten und den Aussagen mancher Funktionäre (z.B. in fb) die Frage, wie gut und von wem die Funktionäre bezahlt werden?

 

4)     Ist es nicht diskriminierend, wenn Stellplätze mit Stromversorgung nur für 2 Nationen vorgesehen sind. Von einer Teilnehmerin aus unserer Equipe weiß ich, dass man sogar mit Hilfe der Carabinieri versucht hat, sie von diesen Stellplätzen zu vertreiben, und das, obwohl sie  schon im Voraus mit Stromversorgung gebucht und bezahlt hatte...


5)     Ich spreche Funktionären, die ein solches Gelände im Vorfeld für gut befinden, jede Qualifikation ab (oder war das eine „Biertischentscheidung“?)! Die Entscheidung für ein Gelände wie in Malga Millegrobbe lässt in meinen Augen jedes Verantwortungsgefühl vermissen und zeugt von Ignoranz und davon, dass Unfälle billigend in Kauf genommen werden. Es gibt ein FCI-Reglement, an das sich nicht nur die Hundebesitzer halten müssen, sondern auch die Funktionäre !!!
Auszüge aus dem FCI Reglement für Internationale Windhund-Rennen und -Coursings:  „1.2 Tierschutz. Die Sicherheit und Gesundheit der Tiere soll immer der Leitfaden für Offizielle und Teilnehmer während Renn- oder Coursing-Veranstaltungen sein.“
Der Tierschutzgedanke wurde meines Erachtens hier regelrecht mit Füssen getreten!

„3.1.1 Richter. Die Richter sind das oberste Organ der Veranstaltung. Sie überwachen die Einhaltung des Coursing Reglement und verfolgen den Ablauf des Coursings. Ihre Entscheidungen in Streit- und Zweifelsfällen sind endgültig. Im Falle von technischen Problemen beraten sich die Richter mit dem Coursingleiter. Vor Beginn der Veranstaltung überzeugen sich die Richter davon, dass die Richtlinien in den Paragraphen 3.2, 3.3, 3.4 und 3.6 eingehalten wurden und die Gesundheit der Hunde gewährleistet ist.”
“3.2.2 Bodenbeschaffenheit. Das Geläuf darf keine Steine und Löcher aufweisen und muss griffig sein. Natürliche Hindernisse sind nicht obligatorisch aber sehr erwünscht.
Hindernisse und Gräben müssen für den Hund mindestens 30 m vorher sichtbar sein.”

Auf den vielen Videos ist gut zu erkennen, dass die Gefahrenstellen (Gräben, Löcher) für die Hunde nicht zu erkennen waren, schon gar nicht aus 30 Metern Entfernung. Die Unfallhäufung an manchen Stellen war enorm. Wo waren hier die Augen der Richter?


„4.6.1 Rennbahn und Gelände
Diese Meisterschaften dürfen nur auf Rennbahnen/Geländen ausgetragen werden, die den Bestimmungen 2.4 und 3.2 dieses Reglements entsprechen."

Und selbst dieses Reglement ist verbesserungswürdig. Es heißt, Hunde müssen Hindernisse rechtzeitig erkennen können. Fallgruben, wie in Malga Millegrobbe kann ein Hund beim besten Willen nicht erkennen. Und dann werden die besten Hunde durch manche Richter mit Punkteabzug bestraft, wenn sie in so eine Falle laufen !!! oder wenn sie dem Hasenzieher auf den Leim gehen !!!  Beispiel: Barsoi Hündinnen 2. Lauf Gorinka. Einfach das Video anschauen:

https://www.youtube.com/watch?v=1-DvGO1o0Ok&feature=youtu.be

wer dann nicht weiß, wovon ich rede, hat in diesem Sport nichts verloren. Anders kann und will ich es nicht ausdrücken. Jeder Mensch, der weiß, wie eine Hasenjagd mit den Hunden funktioniert, weiß auch, dass die besten Hunde sich nur bedingt auf das Terrain konzentrieren, sie konzentrieren sich voll und ganz auf das Fluchtobjekt.

auf diesem Foto genau zu sehen: Blickrichtung nicht gleich Laufrichtung


6)     Die Schweigeminute für das tödlich verunglückte Windspiel war völlig in Ordnung. Ich möchte der Teilnehmerin hier noch einmal mein Mitgefühl ausdrücken. Aber hätte man den Teilnehmern nicht danach noch nahelegen können, dass der Jubel für die Platzierungen an diesem Abend aus Pietätgründen unterbleibt? Außerdem habe ich den Eindruck anhand von vielen Kommentaren (z.B. auf fb) dass manche Funktionäre immer noch der Meinung sind, dass alles in Ordnung war. So ein Verhalten zeugt in meinen Augen von einer zum Himmel schreienden Arroganz! Die Fehler zuzugeben würde von Größe zeugen … die ist aber allem Anschein nach nicht vorhanden. Es geht hier auch nicht um Schuldzuweisungen, sondern einfach darum, endlich mal aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Und auch darum, so ein Event endlich zu dem werden zu lassen, was es sein sollte: Ein Windhund-Festival, bei dem anschließend möglichst wenig Teilnehmer mit einem bitteren Nachgeschmack (oder einem verletzten oder toten Hund = Horror pur) nach Hause fahren. Und an das sich jeder mit Freude erinnern kann!
Wie wichtig den Funktionären und Organisatoren vor Ort unsere Hunde waren, sieht man auch aus der Tatsache, dass kein Tierarzt direkt an den Parkours zugegen war …


7)     Und die Hasenzieher? Vielleicht sollte man in Zukunft die besten Hasenzieher mit viel Erfahrung (die gibt es wirklich) zu so einer Veranstaltung einladen? Denn immer wieder passierten fatale Fehler beim Ziehen (oder war das gewollt?), ich verweise dazu auf das FCI-Reglement Punkt 3.1.5 und 3.5.
Leidtragende sind die Teilnehmer und ihre Hunde – oder ist das egal ? Wenn dann Funktionäre auch noch behaupten, die Hasenzieher seien gut gewesen, dann stellt sich mir die Frage, ob da bei manchen Hunden (vor allem bei vielen schnellen Hunden) vielleicht Bestechung im Spiel war … Oder wie soll ich mir erklären, dass der Hase ohne Grund plötzlich liegen bleibt, bis die Hunde ihn überlaufen haben? Anschließend weitergezogen wird, das heißt Verletzungen durch das Zugseil billigend in Kauf genommen werden? Bei Verletzungen einfach weitergezogen wird? Auf Parkur Nr. 1 sollten die Hunde anscheinend nach oben laufen, für wie dumm werden denn die Hunde gehalten? Wenn der Hase an dieser Stelle plötzlich 50 m und noch mehr weggezogen wird, wie auch bei unserer Gorinka geschehen (siehe Video) … Die Hunde laufen normalerweise den kürzesten Weg … Und dann werden sie dafür bestraft ??? Weil sie nicht Umwege laufen ??? Weil sie abkürzen und in für die Hunde nicht erkennbare Fallen, Gräben und Löcher laufen ???


Vorschlag für Funktionäre und Hasenzieher, die immer noch meinen, das Gelände hätte dem Reglement entsprochen: Setzt Euch auf ein Motocross-Motorrad und dann fahrt bitte mit 50 km/h kreuz und quer durch dieses Gelände !!! Wer langsamer fährt bekommt die rote Karte !!! Das geht nicht??? Das lasse ich nicht gelten, denn Ihr habt gegenüber den Hunden zwei riesige Vorteile:  Zum einen habt Ihr einen wesentlich besseren Blickwinkel auf das Gelände vor Euch und zum Anderen könnt Ihr Euch auf das Gelände konzentrieren !!! Die Hunde konzentrieren sich auf den Hasen !!! Na ja, selber schuld … Und die Teilnehmer? auch selber schuld, warum lassen sie da ihre Hunde starten ….
Ein paar Gedanken meinerseits, damit endlich mehr Fair Play einkehrt. Fünf statt drei Richter habe ich ja schon erwähnt, höchste und niederste Bewertung streichen und es sollten grundsätzlich Richter aus verschiedenen Ländern sein. Und, wenn Richter ganz offensichtlich in Schiebungen verwickelt sind, warum hat das keine Konsequenzen? Sie müssten international gesperrt werden !!!  
Spitzere Winkel beim Hasenziehen als 90° gehören verboten. Sie entsprechen absolut nicht dem Fluchtverhalten von Wildtieren. Außerdem ist dadurch die Verletzungsgefahr umso größer, je schneller und wendiger der Hund ist! Ich frage mich auch, warum Hunde schlecht bewertet werden, wenn sie stürzen? Das kommt auch bei der Jagd vor! Wichtig ist doch, dass die Hunde aufstehen, den Hasen suchen und dann wieder mit vollem Einsatz hinterherjagen. Das müsste normalerweise Extrapunkte geben! Aber anscheinend sind Hunde gefragt, die langsam sind, lieber auf’s Gelände achten statt auf den Hasen und nie einen Hasen fangen würden ….  Da drängt sich der Verdacht auf, dass „Ausstellungshunde“ gepuscht werden, um sie in einem guten Licht erscheinen zu lassen … bringen doch auch gute Leistungen …  dabei könnte so mancher dieser Hunde einen Hasen nicht einmal dann fangen, wenn der nur drei Beine hätte… (aber im Klassement stehen sie ganz vorne …)
Zitat einer anderen CEM-Teilnehmerin: „… fällt mir schon lange auf, dass bei den CEM’s die intelligent laufenden Hunde unerwünscht sind … Zufall, dass das so ist, seit sich die Show-Hunde beim Coursing profilieren müssen … ?“
Dann müsste beim Start erstmal eine lange Gerade gelaufen werden, bei der die Zeit gemessen wird, die dann in Punkte umgerechnet wird. Langsame Hunde fangen gar nichts – nur beim Coursing stehen sie manchmal unverständlicherweise ganz oben auf dem Treppchen (erinnert mich sehr an die Machenschaften auf so mancher Ausstellung). Warum werden die Bewertungen der einzelnen Hunde und der Richter nicht veröffentlicht? Hat man Angst, es könnten peinliche Schiebungen aufgedeckt werden? Was ist mit der Veröffentlichung des Etats einer solchen Veranstaltung? Sollten die Teilnehmer nicht erfahren wohin welche Gelder geflossen sind? Hat man auch da Angst, es könnte etwas publik werden, was nicht publik werden soll?
Zum Schluss noch eine Frage: warum wurde das Formular, das wir alle unterschreiben mussten, nicht in den jeweiligen Landessprachen vorgelegt ??? „Ein Schelm, der Böses dabei denkt ?“
Fazit: Selbst wenn mir die nächste EM gesponsert würde, unter solchen Umständen ist für mich eine Teilnahme ein absolutes „No Go“! (Vielleicht will man ja genau das erreichen? Es wurden noch mehr Besitzer mit Top-Hunden betrogen!)
Ich verweise hier auch nochmal auf mein Schreiben, das ich nach der Europameisterschaft 2013 an diverse Funktionäre geschickt habe. Leider bis heute unbeantwortet … weder von der FCI, noch vom DWZRV, da muss ich mich doch ganz einfach fragen, ob ich im falschen Verein bin !!! – nicht wir sind für die Funktionäre da, sondern die Funktionäre sollten für uns da sein !!!
(Die CNUL will ich ausnehmen, denn mit Ihr habe ich nur beste Erfahrungen, ich weiß, dass sie sich bestmöglich für uns einsetzen! Danke!)
Was bleibt, ist die Hoffnung, dass endlich in unserem Sport Fair Play einkehrt …

Bransat, 14.07.2014
Franz Ehrler
Barsois von Ochotnikov

 

Galena von Ochotnikov

 

Fiona von Ochotnikov

 

Gorinka von Ochotnikov

 

 

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