Ochotnikov-Barsois

Die Willkür der Zucht- und Feldrichter und ihre Folgen …
 

Was beim Fußball die „Madonna in Schwarz“ sind bei den Zuchtschauen/Coursings der (die) „Zucht- bzw. der (die) Feldrichter“! Niemand sonst beeinflusst die Qualität
unserer Rassen und alles, was damit zusammenhängt, mehr und nachhaltiger, als die Zucht- und Feldrichter. Meiner Meinung nach gereicht das den Rassen nicht zum
Vorteil, im Gegenteil. Wer sich mit der Genetik und den Qualitäten und Besonderheiten unserer Rassen auseinandersetzt, merkt sehr schnell, wohin der Weg
führt: In eine Sackgasse! Für manche Rassen am Ende ohne Wendeplatte (Stichwort Qualzucht).
Ich will dabei nicht alle Zucht- und Feldrichter über einen Kamm scheren, denn ich habe auch schon gute Richter auf Ausstellungen und Coursings erlebt. Leider spricht
das Niveau der Mehrzahl der Richter eine ganz andere Sprache!

Doch zurück zu den Folgen der „Arbeit“ solcher „Zuchtrichter“. Wenn Hunde zu Multi-Champions gekürt werden, die in vielen Punkten mit Fehlern behaftet sind, hat das große negative Auswirkungen auf die Zucht und den Fortbestand der Rasse in all seinen Qualitäten und seiner Vielfalt. Warum solche Hunde zu Champions gemacht werden ??? Der Klüngel lässt grüßen und das ist, so denke ich, noch sehr geschmeichelt ausgedrückt! Dieser „Klüngel“ setzt sich fort bis hinein zu den Bewertungen bei Coursings. Das Argument „Hauptsache, dem Hund macht es Spaß“ ist an Einfältigkeit nicht zu überbieten, denn auch mit diesen Bewertungen bei der Arbeit der Hunde, wird die Qualität der Rassen stark beeinflusst.

Wenn man sich mit Kynologie befasst und mit einschlägiger Literatur auseinandersetzt, kann man die Fehler, die gemacht werden, leicht erkennen. Eigentlich sollte man meinen, dass sich „Zucht- und Feldrichter“ dieser Verantwortung bewusst sind. Die gängige Praxis beweist jedoch das genaue Gegenteil.

Ziehen wir einen Vergleich mit der Vergangenheit: Wenn man die Begeisterung sieht, mit der über die Hunde der besten Züchter aus der „guten alten Zeit“ (gehen wir ein gutes Jahrhundert zurück) geredet und geschrieben wird, kann man die gängige Praxis um so weniger verstehen.

 

    

Podar und Nagrajdai. Ende 19. Jahrhunderts. Zwei der besten russischen Barsoirüden.

Zum Vergleich: Indira von Ochotnikov und Fiona von Ochotnikov

    

Kommt man mit solchen Hunden heute auf die Ausstellung, finden manche Richter Fehler über Fehler, die gar nicht vorhanden sind, nur um diese Hunde abzuqualifizieren (Ein Beispiel aus der Vergangenheit: Bei einer Ausstellung in Orleans sagte die Richterin zur Ringschreiberin: Zitat: „Es ist mit Abstand der beste Barsoi, den ich heute hier gesehen habe, aber er hat einfach zu wenig Fell“ – Resultat: V4, die besser bewerteten Hunde hatten mehr Fell ...).

Eine mehr als unverantwortliche Handlungsweise, denn solche Richter sind am Niedergang der Rassen maßgeblich beteiligt um nicht zu sagen, sie tragen daran die (Haupt-)Schuld.

Und wenn dann noch – wie in einer Zwingerwerbung in jüngster Zeit gesehen – damit Werbung gemacht wird, dass die Hunde ja in direkter Linie auf eine der besten Zuchten vor über hundert Jahren zurückgehen, dann „dreht sich mir der Magen um“! Was nützen uns die besten Ahnen vor 20 Generationen, wenn in der Zwischenzeit falsch ausgelesen wurde?

Doch nun zum wichtigsten Punkt für eine sinnvolle Zucht: Der Leistung (Arbeit)!

Es gibt ein paar Merkmale, die in meinen Augen die Spreu vom Weizen trennen und seriöse Züchter von „Vermehrern“ unterscheiden: Ein Züchter, dem die Rasse wichtig ist, behält aus jedem Wurf einen Welpen. Wie sonst kann man eine sinnvolle Zucht aufbauen?

Ihnen ist auch die Arbeit mit ihren Hunden wichtiger, als die „Schönheit“, was allerdings mit viel Aufwand, Arbeit und Einfühlungsvermögen verbunden ist …

Für mich sind „Schönheitswettbewerbe“ (Ausstellungen/Zuchtschauen) und Championtitel kein Maßstab für gute Hunde (vor allem deswegen, weil ich weiß, wie viele dieser Titel zustande kommen).

Und ein Züchter, der seine Hunde liebt, lebt mit ihnen zusammen und hält sie nicht wie „Nutzvieh“!

Und die Folgen ??? Dazu möchte ich den Kynologen Dr. Hellmuth Wachtel zitieren:

Substanzlose Glorifizierungen führen das Ausstellungswesen ad absurdum.

Leider ist sogar Kosmetik aller Art, wie gefärbte Haare und Nasenspiegel, Puder und andere >Verfälschungstricks< von den Ausstellungen nur mühsam oder gar nicht fern zu halten. Der maßlos übertriebene, Lebensqualität mindernde Haarwuchs mancher Rassen lässt bei solchen etwas anderes als diesen kaum mehr beurteilen. Wenn dann etwa so ein moppartiges Wesen praktisch nur auf Grund dieser Eigenschaft vor andren gewinnt oder gar vor allen Hunden den Titel „Best in Show“, führt sich das heutige Ausstellungssystem völlig ad absurdum.“

Einige Rassen haben einen üppigen, ständig zunehmenden Haarwuchs. Das ist zwar auch ein genetischer Defekt … Dadurch ist die Lebensqualität solcher Rassen auch ohne eigentliche Qualzucht leider vielfach schwer beeinträchtigt.“

Hundezucht darf nicht weiter eine Spielwiese für Richter und Züchter sein, die die Qualität eines Hundes nur in Äußerlichkeiten sehen und dabei vielleicht vergessen, dass das alte tradierte Erscheinungsbild einer Rasse das Qualitätswerk von Generationen von Züchtern ist. Das darf nicht einfach weiter über den Haufen geworfen werden. So wird das oft beschworene Kulturgut >Rassehund< im Handumdrehen zunichte gemacht. Züchter und Richter sind die Treuhänder dieses alten Kulturgutes, das jetzt verantwortungslos in Gefahr gebracht, wo nicht vernichtet wird.“

Des weiteren schreibt Dr. Hellmuth Wachtel über die Gefahren der Schauzucht:

Championzucht (favorite sires) verringert wesentlich die genetische Vielfalt der Rasse und ist die wichtigste Ursache für das Auftauchen von Erbkrankheiten“ … „der Wegfall einer wichtigen Leistungsfunktion (Arbeit), daher oft keine ausreichende Selektion auf Gesundheit und Vitalität, doch eine der Hauptursachen für das alles aber ist die Beurteilung im Ausstellungsring durch den Einzelrichter!“

Und er erachtet unter Anderem die „Einführung verpflichtender strenger Vitalitäts- und Fitness-, sowie Erbkrankheitstests bei Zuchthunden.“ als „absolut vordringlich!“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Auf einen einfachen Nenner gebracht, kann man sagen, es wird höchste Zeit, dass sich Ring- und Coursingrichter endlich ihrer Verantwortung bewusst werden und die Hunde zum Wohle der Rassen beurteilen. Auch die Verbände und Vereine sollten sich dieser Verantwortung stellen. Schlußendlich dient dies nicht nur den Rassen, sondern auch den Hundebesitzern. Wer das nicht begreift und dem zuwiderhandelt ist in meinen Augen gleichzusetzen mit Betrügern und hat in der Szene nichts verloren!

 

Ein negatives Beispiel für Ringrichterwillkür:

 

Galena von Ochotnikov, die sich auf Ausstellungen noch nie von ihrer besten Seite zeigte (sie will Häschen fangen … nichts sonst), wurde in der Vergangenheit trotzdem immer mit einem platzierten V bewertet. Für mich bleiben bei so einer Bewertung eigentlich nur zwei Möglichkeiten … entweder der Richter ist bestechlich oder er hat von Barsois nicht viel Ahnung! Beide Varianten sind nicht tragbar! Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen …

 

Dass es zum Wohl der Hunde aber auch ganz anders geht, dafür gibt es einige wenige Beispiele. Eines davon will ich hier erwähnen:

Schweizer Sennenhund-Verein für Deutschland e.V.“

Hier hat man aus den negativen Folgen der Vergangenheit gelernt. Vielleicht macht dieses Beispiel ja Schule, zu wünschen wäre es!

 

© Franz Ehrler - Barsois von Ochotnikov - Oktober 2015

 

 

 

Quellennachweis:

 

Rassehund wohin?“ von Dr. Hellmuth Wachtel, erschienen 2012 im Kynos Verlag.

 

Die Zeichungen von Podar und Nagrajdai sind von dem berühmten russischen Künstler N. A. Martynow aus dem Buch Portraits of Barzois“ exhibited by the Imperial Society of the Royal court of Russia 1874 – 1879.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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