Unsere Geschichte

Begonnen hat alles mit einem Stundenplan …

Ich war 8 Jahre alt, als ich beim Kauf von Schulheften im Schreibwarenladen zwei Stundenpläne geschenkt bekam. Auf beiden waren auf der Rückseite mehrere Hunderassen abgebildet, unter anderem ein Bild eines Barsois. Der seelenvolle Ausdruck seines Gesichtes faszinierte mich. Ich habe diesen Stundenplan, den ich nie benutzt habe, heute noch. – Ein Traum nahm seinen Anfang.

Etliche Jahre später, ich war schon 18 Jahre alt und besaß mein erstes Auto, als ich den ersten Barsoi in voller Lebensgröße bewundern konnte. An einer Tankstelle saß auf dem Rücksitz eines Autos ein großer Hund und als ich ihn sah, dachte ich sofort, das muss ein Barsoi sein. Als der Fahrer des Wagens mit dem Betanken fertig war und aus der Tankstelle zurückkam fragte ich ihn einfach, ob sein Hund ein Barsoi sei.

Er wunderte und freute sich, weil ich die doch sehr selten anzutreffende Rasse kannte. Wir gingen dann mit seinem Hund einige hundert Meter spazieren und ich fragte ihn „ein Loch in den Bauch“ über seinen Hund und über die Rasse. Ich bedankte mich anschließend für seine freundliche Auskunft und der Traum, einen solchen Hund einmal zu besitzen, hatte neue Nahrung bekommen.

Es sollte dann doch noch etliche Jahre dauern, bis ich versuchte, mir diesen Traum zu erfüllen. Zwischenzeitlich hatte ich mir ein Buch über Hunderassen gekauft. Es enthielt jedoch nur sehr spärliche Informationen über den Barsoi.

1970 hatte ich geheiratet und damit auch eine eigene Wohnung. Jetzt wollte ich mir endlich meinen Traum erfüllen. Mit dem Vermieter der Wohnung hatte ich gesprochen und die Erlaubnis bekommen, in der Wohnung einen Hund zu halten. Die Frage war jetzt, woher wir einen solch seltenen Hund bekommen könnten. Zusammen mit meiner Frau und unserem kleinen Sohn besuchten wir kurz entschlossen eine Zoohandlung, die auch Hunde verkaufte. Der Zoohändler  erklärte sich, nach dem zwecklosen Versuch, uns zuerst einen anderen Hund verkaufen zu wollen, schließlich bereit, sich nach einem Barsoi für uns zu erkundigen. Als wir eine Woche später mit großen Erwartungen wieder in dem Zoogeschäft nachfragten, war unsere Enttäuschung riesengroß, als uns der Preis für einen Barsoiwelpen genannt wurde: 2.500.- bis 3.000.- DM !!! Damit war der Traum vom Barsoi erst einmal ausgeträumt. So viel Geld wollten wir einfach nicht für einen Hund ausgeben (Für das Jahr 1971 ein unverschämt hoher Preis, nach späteren Recherchen lagen die Preise für einen Welpen damals bei etwa 500.- DM).

Jahre später (1980), besuchten wir dann die große über 2 Tage gehende internationale Hundeausstellung in Stuttgart. Wir konnten es kaum erwarten und waren unter den ersten Besuchern, die am Samstagmorgen in die Hallen eingelassen wurden.

Barsois waren jedoch leider keine da, denn sie wurden erst am Sonntag ausgestellt. Also fuhren wir am Sonntagmorgen nochmals zur Ausstellung. Zwei volle Tage sammelten wir Informationen und nahmen jede Gelegenheit wahr, uns mit Hundebesitzern und Züchtern zu unterhalten. Wir kamen an beiden Abenden todmüde zu Hause an, aber der Aufwand hatte sich gelohnt und nach langen Diskussionen entschlossen wir uns dann, einen Barsoi zu kaufen.

Über Umwege erhielten wir dann die Telefonnummer von Frau Raschke aus Ludwigshafen-Oppau. Nach mehreren Telefonaten besuchten wir sie. Ich muss die Welpen wohl mit einem sehr entgeisterten Gesichtsausdruck betrachtet haben, denn Frau Raschke fragte mich schließlich, warum ich die Welpen so fragend mustere oder ob mir etwas nicht gefallen würde. Es war für mich damals einfach nicht vorstellbar, dass der Kopf noch dermaßen in die Länge wachsen würde. Im Nachhinein muss ich über mich selber schmunzeln.

Wenige Wochen später erfüllte sich dann endlich mein Traum. Wir hatten endlich einen Barsoi!

Ihr Name war Borissa. Das Sofa war am Anfang für Sie tabu, so war es abgesprochen. Aber nach einigen Wochen hatte sich das geregelt und es ist wirklich unnötig, danach zu fragen, wer sich durchgesetzt hat.

In den nächsten Wochen und Monaten spielte sich dann alles ein. Der Tagesablauf wurde so weit als möglich den Bedürfnissen unseres neuen Familienmitgliedes angepasst und wir verlebten viele schöne Stunden zusammen.

Im Laufe des Jahres 1981 gingen wir dann ab und zu auch auf die Rennbahn nach Sachsenheim, Darmstadt oder Oberhausen, um Borissa auf der Rennbahn laufen zu lassen. Sie lief gar nicht so schlecht und langsam aber sicher wurden wir „süchtig“. 

Im Spätsommer 1981 fuhr Frau Raschke dann in die Tschechoslowakei und brachte von dort mehrere Barsois mit. Darunter auch „Dascha“. Mit richtigem Namen hieß sie Aida z Bozkovskeho chlumku. Frau Raschke hatte sie wohl mehr aus Mitleid mitgebracht. Sie war damals etwa 16 Monate alt und halb verhungert und total verängstigt. Kein Wunder, sie hatte auf einem Grundstück im Freien gelebt und kannte die „Zivilisation und ihre Geräusche“ überhaupt nicht.

Einen Tag nach der Rückkehr von Frau Raschke aus der CSSR trafen wir uns dann auf der Rennbahn in Oberhausen. Unser Sohn verbrachte anschließend 2 Wochen seiner Herbstferien bei Frau Raschke. Er kümmerte sich in dieser Zeit laut Frau Raschke rührend um Dascha. Sie waren unzertrennlich geworden. Wir trafen uns dann nach den zwei Wochen wieder in Oberhausen auf der Rennbahn.

Unser Sohn bearbeitete uns, daß er Dascha unbedingt mit nach Hause nehmen wolle. Es war für mich keine leichte Entscheidung, denn eigentlich wollte ich mit Borissa einmal einen Wurf machen und dann einen Welpen behalten. Ich sagte ihm dann letztendlich, dass ich damit einverstanden bin, aber er müsste das selber mit Frau Raschke klären, ob er sie mitnehmen dürfe. Er fragte sie und sie sagte zuerst nein. Mein Sohn saß anschließend heulend im Auto von Frau Raschke mit Dascha im Arm und war nicht mehr dazu zu bewegen, wieder auszusteigen. Alles Zureden half nichts. Frau Raschke kam dann zu uns und wir redeten über die Situation. Sie meinte, wir könnten Dascha ja für die nächsten Wochen mitnehmen und dann irgendwann wieder zurückbringen. Ich sagte ihr, dass wir das auf keinen Fall machen würden, egal wie viele und welche Probleme wir uns mit Dascha aufbürden würden. Schließlich schenkte sie dann Dascha unserem Sohn. Unser Sohn war überglücklich. Jetzt flossen Tränen der Freude.

Doch unser Glück zu fünft dauerte nur wenige Wochen. Plötzlich, eines Morgens, es war an einem Montag, genau um 4.10 Uhr, weckte mich ein lauter Schrei unserer Borissa. Der Schrei ging mir durch Mark und Bein und ich kann ihn noch heute hören. Ich war sofort hellwach und schaute nach ihr. Dann hielt ich sie weinend in meinen Armen – sie war tot!

 

Borissa (2 Wochen vor ihrem Tod)

Kurz nach 7.00 Uhr rief ich dann in der Firma an und nahm eine Woche Urlaub. Es war für uns einfach unfassbar, sie starb von heute auf morgen und sie fehlte uns sehr. Jetzt war es für uns eine große Erleichterung, dass wir wenigstens noch Dascha hatten.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei Frau Raschke bedanken. Sie hatte uns nach dem Tod von Borissa das Angebot gemacht, aus ihrem nächsten Wurf, gegen Erstattung der Kosten für die Papiere, Impfungen etc., einen Welpen auszusuchen. Wir nahmen das Angebot dankbar an. Am 12.5.1982 fiel der C-Wurf von Piroschka und wir suchten uns schon in den nächsten Tagen einen Welpen aus – Comtess Filai von Piroschka. Es war ein richtiger Zirkushund. Man konnte ihr innerhalb kürzester Zeit jedes Kunststück beibringen. Am 25.08.1982 fiel dann der D-Wurf von Piroschka. Wir fuhren wieder zu Frau Raschke um die Welpen anzusehen und um auch wieder zu fotografieren. Es war ein Welpe dabei, der unserer toten Borissa sehr ähnlich sah. So kam, was kommen musste, wir konnten einfach nicht widerstehen.

Damit hatte sich – viel schneller als wir uns das vorher je hätten vorstellen können – unser Traum verdreifacht!

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